Raum : Selbst
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Dr. Friederike Hauffe
Daniela Ehemann
Barbara Eitel
Ulrike Ludwig
Markus Weis
Norbert Wiesneth
Francis Zeischegg
Catrin Otto
In der modernen, medial inszenierten Gesellschaft sind realer und fiktionaler Raum nicht mehr klar voneinander zu trennen. Das Verhältnis von Wirklichkeit und Imagination, von äußerem und innerem Erlebnishorizont wird zu einer zentralen Kategorie persönlicher Identität. Hier setzt die Ausstellung an. Sie reflektiert die Frage der jeweils individuellen Erfahrung am Beispiel des menschenleeren Raumes. Ohne Nutzer und Bestimmung erscheint er sinnentleert. Raum und Ich sind einander entfremdet. So gewinnt der Raum einerseits selbst spürbar Substanz und ist nicht bloßes Beiwerk. Andererseits ist der Betrachter auf gefordert, die Leerstelle zu fühlen. In seiner Imagination überlagern sich Identität von Abwesen-dem und Betrachter, von dargestelltem Raum und sichentfaltender Vorstellung des Einzelnen. Der Titel Raum : Selbst spielt darauf in doppeltem Sinne an.

Die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler loten das Thema in breitem medialen Spektrum aus. Gemeinsam ist ihnen jedoch die minimalistische Inszenierung, die oft nur andeutet, mit Ausschnitten arbeitet oder auf andere Weise abstrahiert. Diese Offenheit bindet den Betrachter unweigerlich mit seinen eigenen Vorstellungen in die Konstituierung der Räume ein und beteiligt ihn emotional.

Daniela Ehemann spürt der privaten Sphäre von Verschwundenen oder Personen mit Zwangsstörung nach. Sie reduziert vorgefundene Einrichtungen zu Konturzeichnungen, die sich mittels des Rundstahls v on der Wand lösen und durch Spiegel oder Strahler im Raum vervielf ältigen.

Ulrike Ludwig zeigt unspektakuläre Zimmerecken in großformatigen Fotografien. Sie führen den Raum auf seine Grundkomponenten der Achsen und Flächen zurück und vermitteln durch den sanften Verlauf des natürlichen Lichts eine Poesie des Marginalen.

Markus Weis Bilder von auf gezogenen Vorhängen lösen nicht die Erwartung ein, dass sich der Raum dahinter öffnet. Die zugleich fotorealistische und abstrahierende Ausführung hält die Raumwiedergabe ungewohnt in der Schwebe.

Francis Zeischegg thematisiert, wie allein die Art der Wahrnehmung Räume verändern kann. Ihre mobilen Überwachungskonstruktionen verdeutlichen, wie man sich die Kontrolle eines Ortes aneignet, ohne ihn sichtbar zu verändern.

Gewöhnliche Gegenstände im Werk von Catrin Otto suggerieren Alltag. Die Fotoinstallationen der Künstlerin brechen jedoch die gewohnte Sichtweise auf. Schläuche und Kaffeehauben mutieren zu körperlichen Anspielungen, die multiplen Perspektiven schaffen Raum ohne sicheren Standpunkt, zu dem sich die Betrachtenden schwer ins Verhältnis setzen können.

In seinen Fotograf ien mit nüchternen Schreibtischen vor wohnlich anmutender Tapete mit stilisierten Pflanzenmotiv en komprimiert Norbert Wiesneth die Atmosphäre von bürgerlichem Bürokratismus und brutalem Kleingeist. Dies vermittelt sich, auch wenn man nicht weiß, dass die Aufnahmen im Zentralen Untersuchungsgefängnis der Stasi gemacht wurden.

Die vertraut anmutenden Treppenhäuser von Barbara Eitel sind Transitorte. Ihre dynamische Tiefe entwickelt sich aus der Fläche und dem Ausschnitt heraus. Die Zeichnung greift in denAusstellungsraum aus und öffnet Wände, Böden und Fenster. Der Blick folgt den konstruktiven Elementen der Stiegen und Geländer durch verschiedene Geschosse.

Dr. Friederike Hauffe

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